Buchhaltung Mitarbeiteranteile

Teil 1: Restricted Stock Units

ūüďÖ 2023-01-16 · ‚Ź≥ 7 min

DISCLAIMER: Ich bin kein Buchhalter, kein Finanzberater, kein Steuerberater. Alles, was hier geschrieben steht, sollte als Denkanstoß betrachtet werden.

Einleitung

Ziel der Artikelserie: Eine m√∂glichst anf√§ngerfreundliche Einleitung zur Buchhaltung von Mitarbeiteranteilen an US-Firmen mit beancount. Mit Hilfe dieser Artikelserie und beancount schafft es jeder sich einen √úberblick √ľber seine Mitarbeiteranteile in weniger als zwei Stunden zu schaffen. Es gibt vier Teile:

Ein Grundverst√§ndnis f√ľr RSUs, ESPP und Stock Options schadet nicht, aber muss auch nicht vorhanden sein. Eine detaillierte Einleitung hierzu kann man auch in Sujeevan’s Blog lesen. Die Artikel beziehen sich auf die Situation in Deutschland. Es sollte aber gut √ľbertragbar auf andere L√§nder sein.

Warum eigentlich?

Es gibt mehrere Gr√ľnde f√ľr eine korrekte Buchhaltung, f√ľr mich sticht heraus:

Auf das Warum folgt das “Wie”. Urspr√ľnglich hatte ich hier eine lange Einleitung zur doppelten Buchf√ľhrung und beancount geplant. Aber das Wirtschaftsinformatik-Studium hat mich damals im Buchhaltungskurs verloren und es soll ja niemanden hier genau so ergehen.

Daher: Einfach loslegen und Probleme lösen.

Restricted Stock Units (RSUs)

Restricted Stock Units (RSUs) sind eine Verg√ľtungsmethode, bei der der Arbeitnehmer Firmenanteile bekommt. Sie sind quasi als Teil der kompletten Verg√ľtung anzusehen und im Prinzip “Naturalien”, die man vom Arbeitgeber bekommt. F√ľr den Arbeitgeber ist dies relativ g√ľnstig, da der “Markt” den Arbeitnehmer bezahlt.

Im Grunde gibt es bei RSUs drei Events von Bedeutung:

  1. Grant: Der Arbeitgeber verspricht dem Mitarbeiter √ľber einen Zeitraum X, eine Anzahl von Firmenanteilen zu √ľberschreiben
  2. Vesting: In gewissen Intervallen erhält der Mitarbeiter Anteile in sein Depot gebucht. Dieses Depot ist oft bei einem Broker/Bank, die vom Arbeitgeber ausgesucht wurde.
  3. Verkauf von Anteilen. Dies geschieht teilweise automatisch um zum Beispiel anfallende Steuern zu begleichen oder halt manuell, wenn man Gewinne realisieren möchte.

Beispiel: Der Mitarbeiter erh√§lt einen Grant RSU-4241 √ľber 4800¬†ECORP Anteile des Arbeitgeber “E Corp”. √úber 4 Jahre “vesten” alle drei Monate 300¬†ECORP Anteile.

Grant

Der Grant ist einfach in beancount zu modellieren:

; Need to open an account before use
2022-02-01 open Assets:US:ECORP:RSU-4241

2022-02-01 * "RSU Grant RSU-4241"
  Assets:US:ECORP:RSU-4241    4800 ECORP.UNVEST { 0 USD }

Im Beispiel gibt es eine Transaktion mit nur einem Konto (in beancount “Account” genannt). Die 4800¬†ECORP.UNVEST Anteile werden zu je 0¬†USD gebucht, denn solange die Anteile nicht im Depot sind, haben sie ja keinen Wert und sind “Fantasie”.

Dieses Assets Konto wird nur genutzt um einen √úberblick √ľber die Anteile zu halten, die noch nicht “gevestet” sind. Es ist also optional und wer weniger in beancount aufschreiben m√∂chte, kann dies auslassen..

Randnotiz: Was ist ein Konto in beancount?

In beancount nutzt man viele Konten. Sehr viele. Es gibt vier Haupttypen:

Alle Kontennamen fangen mit einem dieser Typen an. Der Rest des Kontonamen ist gleichzeitig eine Hierarchie (durch : getrennt). Assets:DE:Postbank:Giro ist zum Beispiel ein Girokonto bei der Postbank in Deutschland. Die Hierarchie erlaubt es beancount in Berichten Dinge aufzusummieren, sodass ich trotz detailliertem Tracking von Ausgaben Expenses:Groceries:Beer und Expenses:Groceries:Tomatoes trotzdem den Gesamt√ľberblick √ľber alle Ausgaben f√ľr Lebensmittel bewahre.

Mehr Details: beancount Dokumentation: The Double-Entry Counting Method

Vesting

Etwas Zeit ist vergangen und es werden Anteile in das Depot gebucht. In unserem Beispiel ist dieses bei “MyBroker”, in Realit√§t ist es sicher Schwab oder E*Trade. An der Transaktion sind deutlich mehr Konten beteiligt:

2022-03-15 * "RSU Vesting March"
  Assets:US:ECORP:RSU-4241                 -300 ECORP.UNVEST { }
  Assets:US:MyBroker:ECORP                  300 ECORP { 52.50 USD }
    lot: "RSU-4241"
  Income:US:ECORP:PecAdvantage:RSU       -15750 USD
  Assets:US:ECORP:RSU:TaxWithholding    8032.50 USD
  Liabilities:US:MyBroker:TaxAndStuff  -8032.50 USD

Vom Grant-Konto Assets:US:ECORP:RSU-4241, werden 300 ECORP.UNVEST gebucht. Wenn man den Grant nicht modelliert hat, einfach die Zeile weglassen.

Auf das Konto beim Broker werden 300¬†ECORP zu je 52.50¬†USD gebucht. Das war der Aktien-Kurs von ECORP an diesem Tag. Unser Broker erlaubt uns aus verschiedenen “Chargen” (Lots) zu verkaufen. Um sp√§ter nachzuvollziehen welche Shares wir im Broker wie verkauft haben, gibt es hier den lot: Metadaten-Eintrag.

Diese Anteile haben einen Gegenwert 15750¬†USD. Dieser Gegenwert wird auf ein “Einkommenskonto” gebucht. In Deutschland ist dieser Gegenwert ein geldwerter Vorteil (Pecuniary Advantage) und wird √ľblicherweise w√§hrend der Gehaltsauszahlung in einem Folgemonat abgerechnet.

Um die Kosten (Steuern, Krankenkasse, etc.) f√ľr den geldwerten Vorteil zu begleichen, hat der Arbeitgeber den Broker beauftragt Geld einzubehalten. Hier sind es 51% des geldwerten Vorteils (im Beispiel 8032.50¬†USD), die an den Arbeitgeber weitergegeben wurden. Exakt diese Summe schulden wir nun dem Broker ūüėĪ.

Es ist eine ganze Menge passiert, aber am Ende sind auf dem Depot 300 ECORP Anteile zu einem Preis von je 52.50 USD gebucht. Man hätte sie genauso gut auch kaufen können, aber ohne eigenes Kapital aufzuwenden sind sie nun im Besitz des Arbeitnehmers.

Verkauf

Netterweise haben sich der Arbeitgeber und Broker darauf verst√§ndigt, ein “sell-to-cover” vorzunehmen um die entstandenen Schulden zu begleichen. Dies ist ein Verkauf!

2022-03-16 * "RSU sell-to-cover"
  Assets:US:MyBroker:ECORP                -147 ECORP { } @ 55 USD
    lot: "RSU-4241"
  Expenses:Financial:Fees                 0.10 USD ;; SEC Fee
  Liabilities:US:MyBroker:TaxAndStuff  8032.50 USD
  Assets:US:MyBroker:Cash                52.40 USD
  Income:US:MyBroker:ProfitsAndLosses  ;; calculated automatically

2022-03-17 balance Liabilities:US:MyBroker:TaxAndStuff         0 USD
2022-03-17 balance Assets:US:MyBroker:Cash                 52.40 USD
2022-03-17 balance Income:US:MyBroker:ProfitsAndLosses   -367.50 USD

Es wurden 147¬†ECORP zu je 55.00¬†USD verkauft. Insgesamt werden also 8085¬†USD eingenommen. Davon sind 0.10¬†USD als Geb√ľhr an die SEC gegangen.

Der Rest wurde benutzt um die Schulden zu begleichen. Die Einnahmen aus dem Verkauf waren leicht höher als die Schulden, die verbleibenden 52.40 USD wurden auf das Cash Konto gebucht und könnten ausgezahlt werden.

Urspr√ľnglich wurden die Anteile zu je 52.50¬†USD ins Depot gebucht. Somit ergibt sich ein Gewinn von 2.50¬†USD pro Anteil, insgesamt 367.50¬†USD.

Am Ende des beancount Beispiels wurden einige Kontostand-Einträge (balance) vorgenommen. Diese helfen um sicherzugehen, dass wir keine Fehler gemacht haben.

Randnotiz: Konten und Lots - Wie FIFO modellieren?

Unter der Annahme, dass man Mitarbeiteranteile aus verschiedenen Quellen erhält, zum Beispiel durch mehrere Grants, stehen wir vor einem Problem: Wie modelliert man dies in beancount?

Die naheliegende Idee w√§ren ja ein Konto f√ľr jeden Grant:

;; Account for RSU grant
2022-02-01 open Assets:US:MyBroker:ECORP:RSU-4241
;; Account for ESPP
2022-02-01 open Assets:US:MyBroker:ECORP:ESPP

Nach deutschem Steuerrecht jedoch werden alle Aktien in einem Depot gleichbehandelt. Wenn man mit mehreren Konten modelliert, kann man die verschiedenen Chargen (Fachsprech “lots”) nicht aggregieren. Es macht keinen Unterschied, ob der US-Broker es vielleicht erm√∂glicht auszuw√§hlen, was wir verkaufen. F√ľr das Finanzamt ist das FIFO-Prinzip entscheidet. Die Aktien, die wir zuerst erwerben, werden zuerst ver√§u√üert.

Eine zweite Idee wäre nur einen Account zu nutzen und die Transaktionen zu taggen:

2022-03-15 * "RSU Vesting March" #RSU-4241
  Assets:US:MyBroker:ECORP       300 ECORP { 52.50 USD }
  Income:US:ECORP:PecAdv:RSU  -15750 USD

Das hat leider den Nachteil, dass eine einzelne Transaktion mehrere Positionen aus verschiedenen Quellen haben könnte. Zum Beispiel ein Verkauf von Anteilen aus RSU- und ESPP-Lots (wenn der Broker es erlaubt).

Die hier im Artikel nutzt beancounts flexibles Metadatensystem, welches arbiträre key: value Einträge erlaubt:

2022-09-15 * "Sale of a few shares"
  Assets:US:MyBroker:ECORP        -10 ECORP { } @ 50 USD
    lot: "RSU-4241"
  Assets:US:MyBroker:ECORP        -20 ECORP { } @ 50 USD
    lot: "ESPP"
  Income:US:MyBroker:Profits       ;; calculated

Dies erlaubt es uns alle Transaktionen auf ein Depot zu buchen. Die Metadaten k√∂nnen wir dann in Berichten nutzen, um zu √ľberpr√ľfen, ob unser Kassenbuch mit den Berichten des Brokers √ľbereinstimmt. Mehr dazu dann in [Teil 4][part4] der Serie.

All dies zeigt die Flexibilität des Systems und dass man es gegebenenfalls auf andere länderspezifische Situationen anpassen kann.

Zusammenfassung

In diesem Artikel wurde möglichst kurz beschrieben, wie man Grant, Vesting und Kauf modelliert von Restricted Stock Units modelliert. Ich nehme gern Feedback zum Thema entgegen. Ansonsten gern mit Teil 2 weitermachen.